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Fair schmeckt mir!
Und wie kocht die Welt? Welche Gesichter hat der Hunger?
Diese Fragen beantworteten Rainer Schwarzmeier, seine Ehefrau und Anta Iguila Vollmer beim Auftakt der Veranstaltungsreihe zur Fairen Woche, die der Weltladen Reutlingen in Kooperation mit der VHS, dem EPIZ Reutlingen und Simon Tress vom Biohotel-Restaurant Rose in Ehestetten organisiert hat.

Mit einem spielerischen Einstieg, bei dem die TeilnehmerInnen aus unterschiedlichen Lebensmitteln eines auswählen sollten, lernten sich die 11 Zuhörerinnen und 2 Zuhörer zunächst kennen. Fröhliche Geschichten wurden dabei erzählt, Kindheitserinnerungen wach an Zeiten, in denen auch bei uns der Tisch noch nicht so reich gedeckt war wie heute.

In seinem anschließenden Vortrag brachte Rainer Schwarzmeier Fakten und Bilder zur Welternährung, oder besser zum Hunger. Laut UN-Definition ist ein Mensch dann unterernährt, wenn er weniger zu essen hat als er täglich benötigt, um sein Körpergewicht zu erhalten und zugleich leichte Arbeiten zu verrichten.
Nahrungssicherheit als Menschenrecht, das auch als eines der Millenniumsziele durch die Staatengemeinschaft festgeschrieben wurde. Wie es heute, 5 Jahre vor der Millenniums-Zielgeraden, aussieht, drückte Rainer Schwarzmeier in nüchternen Zahlen aus:
Von 6,5 Milliarden Menschen, die heute leben, hungern 1 Milliarde.
160 Millionen Kinder sind chronisch unterernährt.
Täglich sterben 30.000 Menschen, davon 13.000 Kinder, an den Folgen des Hungers.
Laut Jean Ziegler, dem UN-Sonderbeauftragten für das Recht auf Nahrung, könnte die Weltwirtschaft 12 Milliarden Menschen ernähren.
Bilder von hungernden Kindern mit aufgedunsenen Bäuchen, ein typisches Bild des Hungers, wie wir es aus den Medien kennen, zeigte der Referent nicht. In Afrika hungern "nur" ein Viertel der Betroffenen, der größte Teil lebe in Südostasien, wie Indien und China.
Dass Hunger von Menschen gemacht, vom Fehlverhalten der Menschen und Regierungen verursacht wird. Nur etwa 10% des Hungers ist auf Kriege und und Naturkatastrophen zurückzuführen, auch hier also ein falsches Bild, das wir vom Hunger haben. 90% des Hungers sei chronisch, also permanent vorhanden, oft hungern diese Menschen schon vor der Geburt und kommen nicht aus diesem Teufelskreis: Hungernde Kinder haben keine Energie zum Lernen und in die Schule gehen, so auch keine Aussicht auf einen Arbeitsplatz, der sie und ihre Familien ernährt.
Dass die Landbevölkerung mehr unter Hunger leidet als die Städter ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass Bauern durch Großkonzerne von ihren Flächen vertrieben werden, dass ihnen das Trinkwasser abgegraben wird z.B. für den Anbau von Lebensmitteln, die exportiert werden. Ein Problem, von dem übrigens auch die Pidecafe-Bauernfamilien in einigen Regionen betroffen sind, und das im vergangenen Jahr Thema unseres Vortrags am "Tag des Kaffees" war.
Das letzte Bild des Hungers war weiblich. In Afrika werden 80% der Nahrung von Frauen produziert, trotzdem haben sie weniger Essen zur Verfügung als die Männer. Besonders schlimm für Schwangere, die mehr Energie benötigen für sich und ihr ungeborenes Kind.
Rainer Schwarzmeier zeigte auch das Dilemma vieler Entwicklungsländer: den Spagat zwischen wirtschaftlichem Wachstum, das teils auch zum Abbau der Staatsschulden vorangetrieben wird, zwischen sozialen Ungleichgewichten und Raubbau an der Natur, an Bodenschätzen.
Ernährungssicherheit erfordere
- Wandel im Handel durch ein faires Welthandelssystem
- eine Agrarwende hin zur bäuerlichen Landwirtschaft, Stärkung der ländlichen Räume und Entwicklung, Förderung der Binnenmärkte
- eine Konsumwende, wozu auch der Vortrag und die anderen Veranstaltungen der Fairen Woche dienen sollten.

Bevor sich die Teilnehmenden nun an den afrikanischen und thailändischen Köstlichkeiten des öko-fairen Buffets wieder stärken konnten, erläuterte Rainer Schwarzmeier die Ausstellung "So kocht die Welt - gemeinsam für eine Welt ohne Hunger", die noch bis zum 25.9. im Foyer der VHS zu sehen sein wird.



Ein herzlicher Dank an das EPIZ, die VHS und den "Financier", das BMZ!
Die ehemals Freie Reichsstadt wird Faire Handelsstadt!
Verleihung des Titels "Fairtrade Town" am Donnerstag, 3. Mai 2012, 18 Uhr im Rathaus-Foyer.
Anschließend hielt Benjamin Pütter von MISEREOR im Matthäus-Alberhaus den Vortrag "Kinderarbeit in Indien - es gibt Alternativen" (20 Uhr).