Krippen

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Krippenausstellungen in der Marienkirche

Aus Holz, Ton, Bambus, Papier - bunt und vielfältig wie die Kulturen der Menschheit sind die Krippen, die der Weltladen Reutlingen einige Jahre lang in der Adventszeit im Vorraum der Marienkirche ausstellte.
Über 100 fair-gehandelte Krippen aus über 20 Ländern waren zu sehen, zu bestaunen - und zu kaufen.

Krippenausstellung 2005

Die erste Krippendarstellung soll von Franz von Assisi im Jahre 1223 veranlasst worden sein. Seitdem hat sich diese Sitte über die ganze Welt in allen Kulturen und Kirchen verbreitet. Dabei wird Christi Geburt in das eigene Leben der Krippengestalter hineingeholt: Ochs und Esel werden zu Lama, Kamel oder Wasserbüffel; die Schafhirten werden auch mal zu Schweinehirten; und wenn im Hintergrund der Krippe ein schneebedeckter Andengipfel ragt, dann bekommt das Jesuskind eine Strickmütze gegen die Kälte aufgesetzt.

peruanische Darstellung aus bemaltem Ton peruanische Darstellung aus bemaltem Ton

Die Künstler verarbeiten die Materialien, die es bei ihnen vor Ort gibt: Olivenholz in Palästina, Perlmutt in der Karibik, Ebenholz in Tansania, salziger Brotteig in Ecuador, Elfenbein-ähnliche Knochen im Kongo, Glas in Venedig, Bambus in China, Kork in Portugal. Aber auch Krippen aus Papier und Pappmachée, Gips und Zinn, Wachs und Blei gibt es zu sehen. Es ist faszinierend, wie vielfältig die Ausdrucksmöglichkeiten des Glaubens sind.
peruanische Krippe aus Pappmache brasilianische Stoff-Krippefiguren
Die Schnitzer und anderen Künstler wollen mit ihrer Darstellung die große Entfernung und die lange Zeitspanne zur Geburt Christi in Bethlehem überwinden. Ihnen ist es wichtig: Christus kommt auch heute, und er kommt zu uns in unser Dorf oder unsere Stadt. So tragen die Figuren die Gesichtszüge der eigenen Nachbarn, sie tragen die eigene Kleidung und machen deutlich: „Euch ist heute der Heiland geboren!“

geschnitzte Krippe der Makonde aus Afrika geschnitzte Krippe der Makonde aus Afrika

Die inhaltlichen Akzente der Krippen sind unterschiedlich: einige betonen die Gottessohnschaft Christi: die Menschen knien anbetend vor der Krippe; andere betonen die Menschlichkeit Jesu und die Beziehung zu seiner Mutter Maria, auf deren Schoß er sitzt. Oder Maria stillt das Kind, oder gibt ihm neue Windeln. Andere betonen die Armut, in die das Kind hineingeboren wird - und in der so viele Menschen heute leben. Andere betonen die Gefährdung des Lebens durch Gewalt und Krieg damals wie heute. Oder sie rücken die Engel in den Vordergrund, die deutlich machen: hier ragt Gottes Welt und Gottes Herrlichkeit in unsere Gegenwart hinein.
Als Jesus in Nazareth aufwuchs, wird er als Kind mit dem Holz der Olivenbäume um das Haus der Eltern geschnitzt haben. Aus den gleichen Bäumen werden heute in Bethlehem und den Nachbardörfern Krippenfiguren geschnitzt. Für viele Schnitzer ist diese Einkommensquelle wichtiger als je, da sie ihre Felder durch den Bau des großen Zaunes bzw. der Mauer nicht mehr bebauen können.

Krippenplakat 2005   Krippenplakat 2006 Krippenplakat 2007

In Peru werden Krippen getöpfert. Eine Handwerker-Kooperative schafft so Arbeitsplätze und Einkommen. In Tansania bearbeiten die Makonde seit Jahrhunderten das harte Ebenholz. Jesus trägt hier ein schwarzes Angesicht, denn er ist ja ihr „Bruder“ geworden. In anderen Teilen Afrikas werden die Figuren aus dem roten Holz des Rosenbaumes (Madagaskar), aus dem braunen Stamm der Sauerpflaume (Mozambique) oder aus hellen Dornen (Nigeria) geschnitzt. Die Krippen stammen aus Kooperativen und Genossenschaften, vermittelt durch Entwicklungsorganisationen oder kirchliche Partnerschaften. Die Schnitzer und Töpfer dieser Kunstwerke bekommen einen „fairen Preis“ für ihre Ware.
Text: Dr. Jürgen Quack

Krippenausstellung 2005